INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
1.) Warum ich das schreibe
2.) Vorstellung von Schmuck Josef, dem Schreiber dieser
Zeilen
3.) Politische Entwicklung Österreichs im 20. Jahrhundert
in groben Zügen
4.) Zu den Äußerungen Jörg Haiders und
seinem Umfeld in der Vergangenheit, sowie die Geschichte der FPÖ nach dem
2. Weltkrieg in der österreichischen Parteienlandschaft
5.) Wer ist Haider, was kann er wirklich, und was kann er
nicht - oder das Wesen eines Populisten und Schaumschlägers
6.) Die Ausländerproblematik und was Haider und sein
Anhang damit machen
7.) Reaktionen des Auslandes, insbesondere der EU
8.) Was ist zu tun? Wie geht es weiter?
Nachwort zu meinem "Plädoyer für Österreich"
| Vorwort zu meinem Plädoyer für Österreich |
Noch im Februar 2000 habe ich mir in einem
mehrnächtigen "Meinungsäußerungsanfall" meinen Kummer von der Seele geschrieben,
mit dem Ziel etwas mehr zu tun als nur über die Situation zu schimpfen. Nach
reiflicher Überlegung habe ich vorerst mein Meinungsdokument etwa 150 mal kopiert
und in alle Welt verschickt. 38 in Österreich akkreditierte Botschaften (alle
14 EU-Mitglieder, alle EU Beitrittskandidaten und weitere mir wichtig erscheinende
Botschaften, vor allem solche mit denen Osterreich traditionell gute Beziehungen
hat) haben mein Memorandum bekommen. An etwa 40 Politiker im in- und Ausland
habe ich es ebenso verschickt wie an 25 international angesehene Zeitungen und
Journalisten in aller Welt. Die restlichen Exemplare wurden an mir (zum Teil
persönlich) bekannte Meinungsbildner Personen der Gesellschaftspolitik und an
Vertreter von Religionsgemeinschaften weitergegeben. Warum ich es nicht an mehr
Menschen verschickt habe, ist einfach erklärt. Erstens ist es eine Kostenfrage
und zweitens ist das Eruieren von Adressen eine mühselige und sehr zeitaufwendige
Arbeit.
Etwa von der Hälfte der "Plädoyer für Österreich"-Empfänger habe ich eine schriftliche
oder mündliche Antwort erhalten. Überwiegend zustimmend war die Reaktion, oft
auch mit positivem Erstaunen verbunden über meine analytische Sicht. Jedenfalls
habe ich keine einzige ablehnende Meinung gehört. Vielmehr hat man mich von
mehreren Seiten bedrängt mein "Plädoyer für Österreich" ins Internet zu geben,
was ich hiermit tue.
Mai 2000, Josef Schmuck eh.
| PLÄDOYER FUR ÖSTERREICH |
Ansichten eines leidenschaftlichen Österreichers zu den schockierenden politischen
Ereignissen
des Februars 2000, anläßlich der Regierungsbildung im EV Mitgliedsland Österreich
oder Die CAUSA PRIMA in 8 Kapiteln
1.) Warum ich das schreibe:
Wenn ich über die Ereignisse seit dem Wahlsonntag am 3.Oktober 1999, insbesondere
über die Ereignisse im Jänner und Februar 2000 nachdenke, so bin ich schockiert
und entsetzt. Kommentare gibt es in den Zeitungen, im Fernsehen und im Radio
zuhauf. Wenn ich das alles betrachte, so drängt sich mir der Vergleich zu Andersens
Märchen "Des Kaisers neue Kleider" auf, wo am Schluß alle dem König zujubeln,
was er für schöne Kleider anhabe, obwohl er nackt ist, und nur ein unschuldiges
Kind sagt, "der König hat keine Kleider an", und erst da erkennen sie, daß sie
nur geblendet wurden. Ich möchte dieses Kind sein.
Mein Lebtag hätte ich nicht geglaubt, daß von angeblich so gescheiten Leuten
der Politik und der Medien in so kurzer Zeit so viel Unsinn und so viel Dummes
geredet wird wie in diesen Tagen. Das ist es, was mich am meisten entsetzt.
Schockiert bin ich in erster Linie darüber, daß dies von weiten Teilen der Bevölkerung
in Europa auch alles noch geglaubt wird.
Bevor ich meine Gedanken zu dieser europäischen Politaffäre (besser Politposse)
kundtue, ist es, so glaube ich, notwendig, mich, als Schreiber dieser Zeilen,
selbst vorzustellen.
3.) Politische Entwicklung Österreichs im 20. Jahrhundert
in groben Zügen
Nach dem Zusammenbruch der Monarchie und dem fürchterlichen ersten Weltkrieg,
war in unserem Land Not und viel Elend. Von einer politischen Großmacht zu einem
kleinen Kernland Österreich zusammengeschrumpft, konnten die politischen Kräfte
in Österreich, die Sozialisten und die "Schwarzen", letztere schon mit sehr
starker faschistoider Neigung, das Land nicht einen. Haß und extremes gegenseitiges
Mißtrauen prägten die Politik. 1934 endete alles im entsetzlichen Bürgerkrieg,
die schwarzen Austrofaschisten regierten. Aufrechte Österreicher, Idealisten,
wie zum Beispiel Koloman Wallisch, wurden hingerichtet. Das Elend wurde eher
noch größer, von Demokratie war nicht mehr viel zu sehen, große Arbeitslosigkeit
herrschte. In diesem selbstverschuldeten Zustand war es für die Nazis ein Leichtes
zu reüssieren. Weitverbreiteter Antisemitismus, der in Österreich schlimmer
war als in Deutschland (symptomatisch das legendäre Zitat des Wiener Bürgermeisters
Lueger "Wer ein Jud' ist, bestimme ich"), erleichterte noch alles. Der Führer
Hitler, noch dazu ein Österreicher, "führte uns heim ins Reich", und alle jubelten
ihm zu. Es gab sofort Arbeit für alle. "Dessen ordentliche Beschäftigungspolitik",
um mich dieser entsetzlichen Worte Haiders zu bedienen, führten geraden Wegs
in den Krieg ("Wollt ihr Butter oder Kanonen") und unsere jüdischen Mitbürger,
Menschen wie du und ich, in die Konzentrationslager und in Folge in die Gaskammern
der Tötungsfabriken. Zigeuner, Homosexuelle und "minderwertige Rassen" brachte
der Rassenwahn der Deutschen und Österreicher zur Vernichtung. Millionen Menschen
starben im grausamsten aller Kriege. Viele verblendete, im Grunde aber anständige
Österreicher und Deutsche kamen in einem mörderischen Weltkrieg ebenso ums Leben
wie jene, welche sich den Nazis entgegenstellten.
Die unfähigen und haßerfüllten österreichischen Politiker der I. Republik, Sozialisten,
Kommunisten, Konservative und Liberale wanderten in die KZs. Dort hatten sie
Gelegenheit, über ihre eigene Unfähigkeit, ihre Dummheit, über ihre mangelnde
Streitkultur und ihre Konsenslosigkeit nachzudenken. Und alle taten es, Körner,
Renner, Figl, Raab, Gohrbach, Schärf etc. Alles Menschen, die an Österreich
glaubten, und sie beschlossen in den KZs es nach dem Krieg besser zu machen
als in der I .Republik und sie schworen, nie mehr 1934 und schon gar nicht 1938.
Sie hatten ein einfaches Rezept, es hieß Sozialpartnerschaft und Proporz. Nach
dem Krieg funktionierte dies auch gut. Die Sorgen des Wiederaufbaus, die Regeneration
Osterreichs standen ohnehin im Vordergrund. Jeder Lehrerposten wurde zweifach
besetzt, ebenso wie jeder Hausmeister, jede Putzfrau, einfach alles, immer ein
"Roter" (SPÖ) und ein "Schwarzer" (ÖVP). Ohne rotes oder schwarzes Parteibuch
ging in Österreich nichts. Der soziale Frieden war gesichert. Auch schwarze
und rote Alleinregierungen änderten daran nichts. Die Titelsucht meiner Landsleute
(vom Kanzleioberoffizial bis zum wirklichen Hofrat, liebgewordene Relikte aus
der K&K Zeit) begünstigte dieses im Prinzip ungerechte System. Uns ging und
geht es gut. Auch die alten Nazis hatten Freude am Leben im schönen Österreich.
Rudelweise schlüpften diese alten Naziwendehälse in die Rolle von Widerstandskämpfern.
Österreich präsentierte sich der Welt als erstes "Opferland" des Nationalsozialismus
- eine glatte Geschichtsfälschung. Dieser österreichische Schmäh wurde jahrzehntelang
als Doktrin verkauft. An die "Wiedergutmachung' (eigentlich ein entsetzliches
Wort, denn am Holocaust kann man in Wahrheit nichts mehr wiedergutmachen) für
die Holocaustopfer dachten die wenigsten. 'Wir haben ohnehin viel an Reparationen
an die Russen zahlen müssen, und jetzt sollen wir an die Juden auch noch zahlen",
war das gängige Motto in Österreich. Wenn es doch keine Kollektivschuld der
Nachkriegsgeborenen gibt, so wäre doch zumindest eine Kollektivscham angebracht.
Doch nicht einmal die gab es. Die Nazizeit wurde jahrzehntelang totgeschwiegen.
Zu meiner Schulzeit hörte der Geschichtsunterricht über meine Heimat 1918 auf,
der Rest wurde in zehn Sätzen abgetan. Wer nicht das Glück hatte wie ich, ein
Elternhaus zu haben, das ehrlich aufklärte und über diese entsetzliche Zeit
berichtete, erfuhr nur wenig oder oft falsches, jedenfalls meist verharmlost
oder geschönt. Die Verdrängungsphilosophie wurde ebenso wie der Proporz in Österreich
zur Perfektion gebracht, ein einmaliger Vorgang in der gesamten Völkergemeinschaft.
Doch die Jugend wollte und will die österreichische Proporzwirtschaft nicht
länger hinnehmen. Wenn nicht Leistung sondern nur Parteizugehörigkeit (entweder
zur SPÖ oder zur ÖVP) ein berufliches Weiterkommen ermöglicht, dann wird jeder
verstehen, daß der Unmut immer größer wurde. Der Zorn auf dieses System, das
unserem Land zwar nach dem Krieg den sozialen Frieden ("die Insel der Seeligen")
bescherte, nahm immer mehr zu. Und dann kommt einer und geißelt diese ungerechten
Zustände, prangert diese Mißwirtschaft gnadenlos an. Die "Taferlpräsentationen"
von Jörg Haider im Fernsehen haben genau den berechtigten Ärger vieler Österreicherinnen
und Österreicher, vor allem der Jugend, angesprochen. Dann darf sich keiner
in Europa wundern, daß diesem Populisten Haider die Wähler scharenweise von
der SPÖ und der ÖVP zulaufen. 30 Jahre SPÖ geführte Regierung mit tatkräftiger
Unterstützung der ÖVP hatten alle satt, die das österreichische Patentrezept
für den sozialen Frieden auf Kosten der Gerechtigkeit schon anwidert.
Was Jörg Haider in Österreich von sich gibt, kann zu 90% akzeptiert werden,
5% redet er Unsinn, aber bei 5% bekommt man Angst, Angst vor dem Einholen der
Geschichte, vor einer Wiederholung. Am 3.Oktober wurde das 50 Jahre praktizierte
System der Zwangsmitgliedschaft der Kammern, die Proporzwirtschaft und die Sozialpartnerschaft
abgewählt. Unser Herr Bundespräsident meinte dazu nur, "das Wahlergebnis sei
schwer zu interpretieren", was aber nur von einem starken Realitätsverlust unseres
Herrn Bundespräsidenten zeugt. Die Gewerkschaften und vor allem die SPÖ begriffen
nicht oder wollten nicht begreifen, was das österreichische Volk wollte; weg
von diesen Mißständen.
Die ÖVP hatte einige Zeit gebraucht, um zu begreifen, was jedem "gelernten"
Österreicher vollkommen klar war. Zuerst wollte sie nach angekündigtem Oppositionsgang
es noch einmal mit der SPÖ versuchen, was aber an dem Starrsinn und dem Unvermögen,
liebgewordene Privilegien aufgeben zu müssen, scheiterte. Was eigentlich jedem
logisch denkenden Menschen klar sein sollte, daß eine politische Programmvereinbarung
von allen, die daran mitgewirkt hatten, unterschrieben werden muß, scheiterte
an der Unterschrift eines einzigen Mannes, dem Metallergewerkschafter Nürnberger.
Klima, Klestil und die EV versagten hier jämmerlich. Wenn man schon so eine
Angst vor dem "Deibel" Haider hat, hätte hier ein Machtwort noch alles abwenden
können, denn die Konsequenz daraus war sonnenklar. Da wurde herumgeredet von
Minderheitskabinett, von Expertenkabinett, von Neuwahlen, alles Unsinn und nur
Wahlhilfe für Herrn Haider.
ÖVP Obmann Schüssel hat das einzig Richtige getan und die Notbremse gezogen,
und jetzt verteufelt man auch ihn, der als einziger aktiver Spitzenpolitiker
die Situation klar erkannte. Vor einem halben Jahr wurde er noch als leidenschaftlicher
Europäer anläßlich der EU-Ratspräsidentschaft gefeiert, und jetzt soll er der
"Steigbügelhalter" für den "Nazi" Haider sein. Ich verstehe die Welt nicht mehr,
ja sieht denn keiner mehr, was da los ist? Sind denn alle gescheiten Köpfe in
Europa von allen guten Geistern verlassen? Obwohl ich der Diktion eines Jörg
Haider wenig bis garnichts abgewinnen kann, ja mich diese meist anekelt, muß
ich doch sagen, daß sein Vergleich mit einem "aufgescheuchten Hühnerstall" durchaus
angebracht ist. Ich meine, daß man dort den "Wald vor lauter Bäumen nicht mehr
sieht".
Bei vorgezogenen Neuwahlen wäre nur Jörg Haider der Gewinner gewesen, schon
allein wegen des Märtyrereffekts. Und was wäre dann gewesen. Unser Herr Bundespräsident
leidet offenbar an sehr starkem Realitätsverlust und Selbstüberschätzung. Alle
Macht geht vom Volke aus, das ist das Wesen der Demokratie! Es geht nicht an,
daß die EU ihr eigenes Grundprinzip nicht mehr anerkennt, das ist ein Putsch
an ihrer eigenen Gesinnung.
Diese krasse Fehleinschätzung der EU wird sich noch zum Schaden der EU erweisen.
Und so wie ich fragen sich viele Österreicher auf gut deutsch, "sind die in
Brüssel alle von der Rolle", denken die nur in ein, zwei Jahreskategorien, denken
die nicht mehr an die Zukunft der EU, an die Erweiterung? Haben die EU-Götter
denn so wenig Selbstvertrauen, daß sie vor einem einzelnen, begabten Populisten
solche Angst haben, wie der Teufel vor dem Weihwasser? Ich habe Schröder, Chirac,
Prodi usw. für mutige, zukunftsorientierte Männer gehalten, oder sind sie vielleicht
auch nur Populisten, die einen möglicherweise zugkräftigeren Populisten Haider
fürchten müssen?
4.) Zu den Äußerungen Jörg Haiders und seinem
Umfeld, in der Vergangenheit, sowie die Geschichte der FPÖ nach dem 2. Weltkrieg
in der österreichischen Parteienlandschaft
Nach der Wiedergeburt Österreichs gab es vorerst eine Drei-Parteienregierung
aus ÖVP, SPÖ und einigen wenigen Kommunisten. Daneben noch die VdU. In dieser
Partei schlüpften vor allem kleine Nazis unter, welche wenigsten noch soviel
Charakter hatten, sich zu ihrer braunen Vergangenheit zu bekennen, bzw. wurde
diese Nationale Partei vorwiegend von alten Nazis getragen. Sehr viele alte
Nazis aber schlüpften mit der "Wendehalstaktik" in der ÖVP unter, aber noch
mehr in der SPÖ. So wundert es nicht, daß alte Nazis auch SPÖ-Minister werden
konnten. Die hatten sich "natürlich" zu aufrechten Demokraten gewandelt. 1956
wurde die FPÖ als Nachfolgepartei der VdU gegründet, welche vorwiegend von Liberalen
getragen wurde. Peter, ein ehemaliger Waffen SS-Mann, von dem man zumindest
glauben darf, daß er sich zum liberalen Demokraten gewandelt hat und der die
Greueltaten der NS-Zeit eingesehen und sich distanziert hat, wurde der Führer
der FPÖ.
Figl, Raab, Schärf, Pittermann, Klaus und Gorbach waren die aufrechten politischen
Führer Österreichs bei "rot und schwarz", die im KZ geläutert wurden und das
Kammernsystern, die Sozialpartnerschaft und den Proporz förderten, ganz gleich,
ob unter einer Alleinregierung oder in Koalition. Diese drei Säulen des sozialen,
inneren Friedens waren "heilige Kühe". Auch Kreisky hielt dann in späterer Folge
daran fest. Zuerst bildete er ein Minderheitenkabinett mit Duldung und Unterstützung
der FPÖ unter Peter.
Welch Ironie der Geschichte - ein jüdischer Kanzler wird von einem ehemaligen
Obersturmbannführer der Waffen SS "getragen". Dann kam die Alleinregierung der
SPÖ unter Kanzler Kreisky. Diese dauerte von 1971 bis 1983.
Kreisky und Mock, der große Europäer, waren Politiker, welche das Sagen hatten.
Kreisky war in Österreich und in der SPÖ der "Volkstribun" wie etwa Franz Josef
Strauß in der CSU in Bayern. Es war die Tragik des brillanten Politikers Mock,
genau zu der Zeit ÖVP-Führer zu sein, als der übermächtige, geniale Außenpolitiker
und Politstratege Kreisky sein Gegenüber war. Zwei Spitzenpolitiker von internationalem
Format als Kontrahenten zur selben Zeit.
Nach Verlust der absoluten Mehrheit kam es 1983 zur Bildung der kleinen Koalition
zwischen Ski unter Sinowatz und der FPÖ unter dessen liberalem Führer Steger.
Verteidigungsminister war Frischenschlager. Dieser hatte nichts besseres zu
tun, als den Nazi-Kriegsverbrecher Reder, dem letzten Langzeitkriegsgefangenen
in Italien, bei seiner Heimholung nach Österreich persönlich am Flughafen abzuholen
und ihn mit Handschlag zu begrüßen. Das Lager innerhalb der FPÖ war gespalten,
die Liberalen mit Stöger an der Spitze konnten sich kaum gegen den Druck der
Nationalen innerhalb der FPÖ wehren. Es kam 1986 zum erfolgreichen FPÖ-Parteiputsch,
angeführt von Jörg Haider. Die Nationalen und die alten "Krypto-Nazis", um sich
der heutigen Diktion Haiders zu bedienen, haben ihn groß gemacht. Allen voran
der Clan um Frau Trattnig, der Chefin einer Gruppe, der faschistoides Gedankengut
sehr nahe stand und steht.
Nach der Ära Kreiskys kamen Nadelstreifsozialisten, Apparatschiks von Kammern,
meist farblose Verlegenheitslösungen, an die politische Macht in Österreich.
Noch immer wurde aber an einem Tabu, den drei Säulen des inneren Friedens, den
immer mehr in der Bevölkerung satt hatten, eisern festgehalten. Im Gegenteil,
es wurden nun schon ganz offen die Posten unter rot und schwarz geteilt. Die
dauerdefizitären, verstaatlichten Betriebe waren ein Faß ohne Boden auf Grund
dieser Packelei . Und genau in diese Mißstände der Pfründewirtschaft stach dieser
"nationale Haider" immer mehr hinein. Anfangs schreckte es noch viele, dessen
Gesinnungsumfeld mitzuwählen. Nach und nach entledigte sich Haider dieser ihm
nun zum "Klotz am Bein" gewordenen Nationalen. Es kam mit Hilfe seiner "Buberlpartie"
zum Bruch mit dem Tratting-Clan. Er umgab sich immer mehr mit Liberalen und
Halbliberalen. Genau jener oben zitierte Ex-Verteidigungsminister Frischenschlager
schrieb das neue FPÖ-Parteiprogramm. Heide Schmidt war Haiders rechte oder besser
gesagt linke Hand und Paradeliberale. Die Haider-Partei ("die Partei bin ich")
gewann immer mehr an Popularität, vor allem weil die noch großen Parteien die
Zeichen der Zeit nicht verstanden. Die SPÖ war nicht mehr die Partei eines Viktor
Adlers, auch nicht die eines Kreiskys, und die ÖVP konnte kaum mehr ihre drei
Bünde, den Bauernbund, den Wirtschaftsbund und den ÖAAB, unter einen Hut bringen.
Die "Kammerilla" diktierte das Geschehen innerhalb der ÖVP. Während die Ski
in den 80er Jahren immer die satten, SPÖ dominierten Gewerkschafter beherbergen
mußten (den Sozialminister mußte unbedingt immer ein SPÖ Gewerkschafter stellen)
hatte die ÖVP immer drei "Subherren", während sie die christlichen Werte, insbesondere
die traditionell konservative, kinderfreundliche Familienpolitik, vergessen
haben.
Dann kam Hainburg, die Verhinderung eines groß-koalitionär geplanten Kraftwerkbaues.
Umweltorganisationen und engagierte Umweltkämpfer brachten die große Koalition
ins Wanken. Die idealistischen Aubesetzer wurden von roten Gewerkschaftern im
Verein mit der E-Wirtschaft als Terroristen beschimpft. Der Gewerkschaftsboß
bezeichnete diese herrliche Natur als "Gelsengestrüpp". In Weiz wurden Elin-Arbeiter
als Gegendemonstranten in Autobussen nach Hainburg gekarrt. Ihnen riefen Gewerkschafter
zu: "Nehmt's die Prügel mit und treibt's sie aussi aus der Au". Nach dem historischen
Sieg der Naturschützer, welche von der Mehrheit der Österreicher gegen SPÖ,
ÖVP und Gewerkschaft, unterstützt wurden, kam es zur Gründung der "Grünen Partei",
welche auch ins Parlament kam. Doch diese neue, anfangs anständige und moralisch
hochstehende Partei verstand nicht die Gunst der Stunde zu nutzen. Interne Streitereien,
dümmliche Basisdemokratie und gleichzeitige Unterwanderung von linkslinken Personen,
bei gleichzeitiger Verdrängung der Wertkonservativen ließen den Wählerzuwachs
stagnieren. Dazu kam noch die Verzettelung mit Randthemen, wie Homosexualität,
Behinderten-Fragen usw. - also alles nicht die breite Bevölkerung bewegende
Themen, dazu auch noch die EU-Gegnerschaft.
In diesem Umfeld hatte der Populist Haider leichtes Spiel, einerseits die abgewirtschafteten
Großparteien SPÖ und ÖVP, geführt von Nadelstreif-Bankern und Wirtschaftsbossen,
andererseits die Grünen, die sich einen "Beinschuß" nach dem anderen verpaßten.
Legendär ist der Auftritt Haiders im TV mit seinen Taferln, wo er den jeweiligen
Kontrahenten mit wenigen Schlagwörtern oder Zahlen (270.000,-- Gehalt für Arbeiterkammerpräsident
Zacharias) bis auf die Knochen blamierte. Das kam bei der Bevölkerung an, die
konservativen Wähler liefen scharenweise zur Haiderpartei über. Dieser Medienpolitiker
eilte von Wahlsieg zu Wahlsieg. Von einer 5% Partei schaffte es Haider innerhalb
von einigen Jahren zur 20% Partei.
Bei den Landtagswahlen in Kärnten, wo das Umfeld für den damaligen Rechtspopulisten
besonders günstig war und ist (dank dem "Heimatbund", einem Verein mit sehr
extrem rechter Klientel), erreichte er mit Hilfe der ÖVP den Landeshauptmannsessel.
Im Kärntner Landtag fiel dann auch der Satz von der "ordentlichen Beschäftigungspolitik
des Dritten Reiches". Als diese unappetitliche, gefühllose und auch unrichtige
Behauptung gefallen war, gab es keineswegs einen "Aufschrei der Empörung" von
Seiten der ÖVP und SPÖ. Es dauerte vielmehr Stunden, bis man überhaupt begriffen
hatte, was dieser Mann aus dem Bärental da ungeheuerliches gesagt hatte.
Dies ist meiner Meinung nach mindestens ebenso ein Skandal wie der inkriminierende
Satz Haiders selbst. Haider wurde deswegen gestürzt, noch einmal klappte die
rot-schwarze Seilschaft. Mit Hilfe der Sozialisten, der damals stärksten Fraktion
im Landtag, wurde der Chef der ÖVP, der schwächsten Fraktion, Herr Zernatto
zum Landeshauptmann gekürt. Viele Österreicher und so auch ich hatten damals
und haben noch immer die Meinung, daß nicht echte Bestürzung wegen dieser Ungeheuerlichkeit
bei SPÖ und ÖVP vorherrschte, sondern dieser "braune" Spruch eine willkommene
Gelegenheit bot, Haider endlich loszuwerden. Doch nur kurz war die Zeit, wo
Haider "schmähstad" war, schon bald darauf widmete sich Haider wieder verstärkt
der Bundespolitik
Und Haider gewann weiter die Wahlen in Österreich, jeder in seiner Partei, der
sich ihm in den Weg stellte, wurde rücksichtslos eliminiert. Heide Schmidt,
als freiheitliche Bundespräsident-Kandidatin von Haiders Gnaden, verlor die
Wahl, der "Riß" zwischen Haider und Schmidt, schon während des Wahlkampfes aufgetreten,
war nicht mehr zu kitten. Um einem Hinauswurf, wie es vielen anderen vor ihr
passiert ist, zuvorzukommen, kam es zur Abspaltung von fünf NR-Abgeordneten
der FPÖ und zur Gründung des LIBERALEN FORUMS. Neben Heide Schmidt, der sehr
bekannte EX-Verteidigungsminister und "Rederhandgeber" Frischenschlager, plötzlich
zum "Liberalen" gewandelt. Auch die Heide Schmidt Partei konnte nicht reüssieren.
Zu doktrinär geführt, viel zu intellektuell und sich ebenfalls lieber mit Randthemen
wie Homosexualität, Behinderten und Minderheitenfragen beschäftigen, als mit
den großen Themen, wie Proporzabschaffung, Bekämpfung der Günstlings und Protektionswirtschaft,
welche in erster Linie die Menschen und vor allem die Jugend in Österreich bewegen.
Kaum von der GRÜNEN unterscheidbar, lediglich pro EU eingestellt, während die
GRÜNEN noch den Umweltschutz für sich reklamieren konnten. Inzwischen sind das
LIBERALE FORUM nach kurzem Höhenflug in den Großstädten aus dem Nationalrat
geflogen, während die GRÜNEN ein wenig zulegten. Viel zu wenig, wenn man wie
ich weiß, welch riesiges, grünes Potential es in Österreich noch immer gibt.
Haider verstand und versteht es wie kein Politiker seit Kreisky mehr, in Österreich
das "Ohr am Volk zu haben". Nicht Haider und schon gar nicht seine ihn treu
nachahmende Gefolgschaft sind so gut, alle anderen sind so schwach.
Das ist der Punkt.
Vranitzky, Busek und Klima haben Haider jahrelang ausgegrenzt. Das war undemokratisch,
dumm und wohl auch pharisäerisch. Die wahnsinnigen Briefbomben, wie man jetzt
mit größter Wahrscheinlichkeit weiß, die Taten eines verrückten, fanatischen
und auch genialen Verbrechers, wurden jahrelang im Umfeld der Haiderpartei geortet.
Währenddessen wurden Linksradikale und Anarchos noch subventioniert, was auch
nicht gerade gut bei der Bevölkerung ankam.
Die Riesenpleite des Konsums, einer "rot-geheiligten" und auch sehr populären
und guten Einkaufskette in Österreich, welche in der wesentlichen Einflußsphäre
der roten Gewerkschaft stand und von dieser wie eine "heiße Kartoffel" fallen
gelassen, was als "roter" Verrat bei SPÖ-Wählern empfunden wurde, trieb weiter
die Wähler in Massen von der SPÖ zur FPÖ.
Die Arbeit von vielen politischen Stümpern bei Rot, Schwarz, Grün und Liberal
haben es der Populistenmannschaft Haiders erst ermöglicht, am 3. Oktober mit
der ÖVP gleichzuziehen und die SPÖ zur Mittelstandspartei schrumpfen zu lassen.
Fehler über Fehler wurde gemacht, insbesondere die Ausgrenzungspolitik gegenüber
Haider, die als Fehler von wenigen gescheiten Politikern in den anderen Parteien
erkannt wurde. Doch auf diese klugen und weisen Politiker hörte man nicht. Ich
erwähne hier nur Zilk, Mock und Fux.
Vor allem in den Anfangsjahren, als Haider noch mit dem latenten Antisemitismus
und der braunen Minderheit kokettierte, kamen auch seine Äußerungen über die
"Charakterfestigkeit der SS-Männer". Haiders Auftritte am Ulrichsberg sind ja
eine einzige Schande für Österreich. Der Heimatbund, zum Teil auch der Kameradschaftsbund
und deutschnationale Turnvereine, sowie deutschnationale Burschenschafter hatten
mit diesem Mann ihre Freude. Ein KZ als Straflager zu bezeichnen, ist nicht
nur für alle KZ-Überlebenden und den Verwandten der KZ-Opfer eine schändliche
Beleidigung, sonder sind auch der dümmste Versuch einer Geschichtsfälschung.
Es darf daher nicht wundern, daß man in Europa, das unter der Naziherrschaft
entsetzlich gelitten hat, und vor allem in Israel und auch in den USA mit den
vielen dem jüdischen Glauben angehörenden Menschen nun empört aufschreit. Es
ist ein Irrtum zu glauben, daß man diese Äußerungen vergessen hat, diese werden
Haider wie ein Menetekel bis an sein Lebensende verfolgen. Und von Saulus zu
Paulus ist Haider noch nicht geworden. Zu lasch sind seine Entschuldigungen,
sie kommen nicht aus dem Herzen, sein Verstand sagt ihm, daß die Distanzierungen
von diesen Äußerungen nun angebracht sind.
Seit
der "Entsorgung" Trattnigs sind solche "braunen Rülpser" Haiders ja immer seltener
geworden. Er "schüttet" in seiner "rotzigen" Sprache immer häufiger die österreichischen
Spitzenpolitiker aller Couleurs an, geisselt diese oft auch sehr treffend, sehr
zum Gaudium der über weite Strecken "angefressenen" Bevölkerung. Und es brachte
ihm Stimmen, viele, sehr viele, jedenfalls viel mehr als mit seinen "braunen
Sagern". Wer politischen "Dreck am Stecken" hat, tut sich auch sehr schwer Herrn
Haider Paroli zu bieten. Vranitzky und Busek erfanden als sinnloses Rezept die
Haider-Ausgrenzung, nur um sich nicht ändern zu müssen, vor allem nicht die
drei Grundsäulen, Kammernwirtschaft, Proporz und Sozialpartnerschaft.
Lediglich bei der EU hatte sich Haider verspekuliert. Zu sehr mühte sich Staatssekretärin
Eder und vor allem Außenminister Mock um den Beitritt zur EU ab. Österreich
schaffte mit 66 % Zustimmung das beste Ergebnis aller EU-Länder. Wir waren EU
Musterschüler mit "Vorzug". Haiders und seiner Mannen Anti-EU-Äußerungen wie
zum Beispiel "die fleißigen Österreicher müssen die faulen Südländer mit ihren
Olivenplantagen subventionieren" hat man in Ländern wie Portugal, Spanien, Italien
und Griechenland auch nicht vergessen. Jetzt braucht sich niemand wundern über
die breite Ablehnungsfront. Da kann ein anderer berühmter Kärntner den "griechischen
Wein" noch so lobend besingen, es wurden die Menschen in diesen Ländern zutiefst
verletzt.
Haider hat den Sinn der EU bis heute nicht verstanden. Haider sollte einmal
Ferialpraxis auf einer Orangen- oder Olivenplantage machen, es täte seiner Seele
und seinem EU-Verständnis nur gut. Seine sportlichen Energien, die er beim Marathon
und Bunje-Jumping auslebt, wären hier besser kanalisiert. Haider ist es in erster
Linie zuzuschreiben, auf Grund seiner vielen braunen, dummen, verletzenden,
beleidigenden und einfach oft nur falschen Äußerungen, daß es zu dieser Reaktion
der Menschen Europas kommt. Einer Reaktion, die bei allem Verständnis maßlos
überzogen ist, nicht dem Geist der EU entspricht und ungerecht gegenüber der
überwiegenden Mehrheit der Österreicher, wahrscheinlich 95%, einschließlich
der Haiderwähler, ist.
Die Äußerungen gegen Präsident Chirac sind ebenso abzulehnen wie gegen die belgische
Regierung. Mann kann über Herrn Chirac denken, wie man will, Factum ist, daß
er ein demokratisch gewählter Präsident ist, von den Franzosen gewählt, und
sie haben ihn mehrheitlich gewählt. Selbst wenn Herr Haider subjektiv meint,
Herr Präsident Chirac habe alles falsch gemacht, und selbst wenn dies stimmen
würde (was es nicht tut), so geht das weder Herrn Haider noch die Österreicher
etwas an, sondern nur die Franzosen. Und die Menschen Frankreichs haben genug
Reife, sich einen Präsidenten zu wählen, der ihnen gefällt und nicht Herrn Haider.
Entwürdigend ist, wie Herr Haider die Belgier geißelte. Es ist schon richtig,
daß es diese entsetzlichen Kinderpornoskandale gegeben hat. Es gibt zwei Sachen,
was die beiden oft verschiedener Meinung seienden großen belgischen Volksgruppen
in der jüngeren Vergangenheit zu 100% einig sein ließ, das Königshaus und die
Abwehr dieses Kinderpornoskandals. Also einem höchst ehrenwerten Volk wie den
Belgiern so mit dem "Gestellwagen" ins Gesicht zu fahren, zeugt von einer unglaublichen
Unkenntnis der jüngsten belgischen Geschichte und ist "saudumm". Mich wundert
die Reaktion Belgiens nicht. Europa hat sich schon was gedacht, als es Brüssel
zur Hauptstadt gewählt hat, darüber sollte Haider auch einmal nachdenken.
Der wesentliche Unterschied zwischen den Äußerungen Haiders und den geharnischten
Antworten aus Frankreich und Belgien ist der, daß Haider von dort gemaßregelt
wurde, wenn ich auch meine, zu überzogen, während Haider die Menschen in Frankreich
und besonders in Begien beleidigte.
Zu den ausländerfeindlichen Äußerungen will ich erst später meine Meinung sagen,
denn hier muß zum besseren Verständnis vorerst einiges Wesentliches gesagt werden.
5.) Wer ist Haider, was kann er wirklich, und was kann
er nicht - oder das Wesen eines Populisten und Schaumschlägers
Haider hat auch positive Eigenschaften. Er ist vor allem ein brillanter Redner.
Er hat Charme und Charisma. Er wirkt auf viele wie der nette Mensch von nebenan
und noch dazu wie einer, der es denen da oben einmal zeigt. Haider ist hochintelligent,
hat ein glänzendes Wissen als Verfassungsrechtler, eine hervorragende Allgemeinbildung
("Latein ist die Sprache der Gelehrten") und hat im Laufe der Jahre die "Maschinerie"
der Politik von der Picke auf gelernt. Er hat die Gabe, denn so etwas kann man
nicht lernen, treffsicher und pointiert zu formulieren. Daher ist Haider auch
ein so beliebter Medienpolitiker. Dieser Mann gibt immer etwas her.
Die Journalisten sind diesem Mann geradezu verfallen, sowohl im negativen als
auch im positiven Sinn. Er steigert Auflagen, hebt Einschaltquoten, die jüngsten
Ereignisse bestätigen dies. Die liebenswürdige Art der Österreicher des (positiven)
"Schmähführens", beherrscht er in Perfektion, und nützt es auch weidlich aus.
Nicht alle seine Sprüche sind bösartig, verletzend oder dumm. Vieles was er
sagt, und vor allem wie er es sagt, könnte in jedes Kabarettprogramm passen.
Haider bringt locker die Menschen zum Lachen, seine Sprüche sind "Legion", viele
seiner Aussagen kommen bei den Menschen an. Und ich meine hier die harmlosen
Sprüche. Aber gerade das macht ihn so gefährlich. Denn zwischen den lockeren
harmlosen "Schmähs" wird schnell eine Gemeinheit dazugeschwindelt, welche dann
nur allzuleicht von den Menschen kritiklos aufgenommen wird. Bei einer "Schmähführerolympiade"
wäre Haider medailienverdächtig.
Dazu kommt noch, daß er eine geradezu unglaubliche Schlagfertigkeit hat. Viele
wirken daher neben ihm in Konfrontationsgesprächen "hölzern". Haider kann man
nur mit seinen eigenen Waffen schlagen. Doch solche Talente sind selten, auch
unter den Politikern. Wer nicht über diese Talente verfügt, muß brillantes Wissen
haben und zumindest dieses volksnah verkaufen können, sonst hat man gegen diesen
Mann keine Chance. Ausgrenzen ist jedenfalls kein Rezept. Es zeigt nur die Unzulänglichkeit
und die Unfähigkeit der Ausgrenzer auf. Eine hätte es schaffen können, nämlich
Heide Schmidt. Leider hat diese anständige und fähige Frau sich intellektuell
verzettelt, wie schon geschildert. Außerdem spürte man bei ihr immer den Haß
gegen Haider, und Haß ist nie ein guter Ratgeber.
Bei soviel Verstand und soviel Talent fragt man sich eigentlich, warum dieser
Mann noch nicht weiter ist. Ganz einfach, er hat meiner Meinung nach kein Herz
und keinen Charakter, er geht über "Leichen". Wer ihm nach dem Mund redet, ist
sein Freund, wer dies dann nicht mehr tut, den jagt er davon. Wenn es zu viele
werden, die gegen ihn aufmucken, dann kokettiert er mit Rücktritt, was innerhalb
der FPÖ als Bedrohung aufgefaßt wird, aus Angst wieder eine 5% Partei zu werden
(man kommt zu der Assoziation "Führer befiehl, wir folgen"). Zum besseren Verständnis,
wie der Mann aus dem Süden, wie er nun "liebevoll" vom jetzigen Wirtschaftsbundpräsidenten
genannt wurde, wirklich ist und wie er seinen Charakter darstellt, zeigt am
besten auf, wie er mit seiner politischen Ziehmutter, der deutschnationalen
"braunen" Frau Trattnig umgesprungen ist, als es Zeit und opportun war, sich
von ihr abzunabeln. Nicht daß ich Mitleid mit dieser, mir in jeder Weise zuwideren
Frau hätte. Selbst war Haider zu feige, sich von seiner "braunen Mutter " zu
trennen, das ließ er seine "Buberlpartie" machen. In schäbiger Weise wurde die
Frau mit ihrer eigenartigen, sehr "strammen" und vergangenheitsbezogenen Frisur
in einem von seinen "Vasallen" gespielten Kabarettprogramm genau mit dieser,
nicht der Jetztzeit entsprechenden Frisur verhöhnt. Und Frau Trattnig saß dabei
im Publikum und war zu Recht geschockt. Ein klarer Fall, was Haider unter Dankbarkeit
und Treue versteht.
Die geschaßten hohen Parteifunktionäre, welche Haider davongejagt hat, würden
allein schon im österreichischen Nationalrat eine respektable Fraktion abgeben.
Haider ist gnadenlos, unter der Maske seiner brillanten Talente und seinem freundlichen,
"lausbubenhaften" ständigem Grinsen verbirgt sich ein, so meine ich, rücksichtsloser
und herzloser Charakter.
Haider ist kein Nazi oder Neonazi, ich glaube sogar, daß ihm diese "Krypto Nazi",
wie er sie neuerdings tituliert, zuwider sind.
Haider ist auch kein Nationalist, ich glaube ihm sogar, eher ein österreichischer
Patriot zu sein als ein Nationalist. Ich glaube nicht einmal, daß Haider ein
Rechtsradikaler oder Rechtspopulist ist, obwohl er sich als solcher derzeit
darstellt. Was ist Haider dann?
Meiner Meinung nach ist Haider ein politischer Schaumschläger und Extrempopulist
ohne Hintergrund. Wenn heute in Österreich meine Landsleute auf die Idee kommen
würden, daß das Kanarivogelhalten das "Gelbe vom Ei" ist, würde sich Haider
blitzartig als bester Kenner der "Edelroller" und als besonderer Kanarivogelzüchter
präsentieren. Und wenn man dann morgen draufkommen würde, daß das Halten von
Kanarivögeln schuld an der Verbreitung von Aids ist, Herr Haider würde als erster
sagen, daß ihm diese Vögel schon immer suspekt gewesen sind und sofort für eine
Massenvernichtung der "Edelroller" plädieren.
Haider ist gar nichts nur Haider; und der will an die Macht, er ist aus meiner
Sicht ein meinungsloser. klassischer Beamter, der gerade das macht, was ankommt.
Und die meisten seiner "Parteifreunde" sind Meister in vorauseilendem Gehorsam.
An dieser Stelle scheint es mir angebracht zu sein, über das Wesen eines Populisten
nachzudenken. Ist es nicht gerade die Demokratie, welche es einem Populisten
ermöglicht sich zu artikulieren? In einer Diktatur bedarf es eines Populismus
nicht, der Diktator macht ohnehin was er will. Sind unsere Politiker nicht alle
in einem gewissen Maß Populisten?
Auf vielen Auslandsreisen hatte ich Gelegenheit, auf CITES-Konferenzen im Rahmen
der UNO mit vielen Delegierten, Diplomaten und Politikern aller Herren Länder
zu sprechen. Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig Sachwissen diese Politiker
zeigten, mit wenigen positiven Ausnahmen. Meine Erkenntnis daraus ist die, daß
viele (nicht alle) Politiker nur das im Kopf haben, wie man die nächste Wahl
gewinnt. So gesehen ist Haider der geradezu perfekte Populist, ob er auch wirklich
etwas kann, hat er noch nicht bewiesen, denn auch jene, an die er seine Macht
delegiert, scheinen mir nur Sterne zweiter Klasse zu sein.
Haider ist möglicherweise nur ein politischer Hochstapler, ein politischer Gaukler.
In Marrakech auf der Djemaa el Fna würde Haider sicherlich gute Figur machen.
Seine Jünger in Österreich glorifizieren ihn ja geradezu, wenn er seine Märchen
erzählt.
Zum Wesen vieler Politiker gehört auch das Versprechengeben, das meist verbunden
mit einer Lüge. Dies nennt man dann die Unwahrheit sagen, obwohl viele Politiker
genau wissen, daß sie bei ihren Versprechungen die Unwahrheit sagen, also lügen.
Haider "lügt am laufenden Band". Entweder entschuldigt er sich dann halbherzig,
wenn er einmal überführt ist, oder er verdreht alles, und die anderen sind schuld
an der falschen Interpetation oder, und das ist häufig seine Masche, schießt
er eine Lüge so schnell heraus, daß viele erst bei genauerem hinhören und nachdenken
merken, daß er schon wieder einmal "geflunkert" hat. Haider beklagt sich auch,
wenn man ihm zu Recht seine mangelnde "political correctness" vorwirft, daß
man mit ihm auch nicht zimperlich umspringt. Er vergißt dabei nur die Kleinigkeit,
daß es immer er ist, der den ersten Stein wirft. Wie man in den Wald
hinein ruft, so hallt es wider.
Haider geht es nur um Machtgewinn und Machterhalt und dazu ist ihm jede politische
"Schaumschägerei" recht. Haider hat keine Ideologie, er ist das Spiegelbild
eines wesentlichen Teiles unserer ideologielosen Gesellschaft. Derzeit wollen
weite Teile der Bevölkerung einen Ruck nach rechts, wäre es umgekehrt und die
Gesellschaft möchte einen Linksruck, dann wäre Haider ein Linkspopulist.
6.) Die Ausländerproblematik und was Haider und
sein Anhang damit machten
Es ist eine Tatsache, daß in Europa eine 'Völkerwanderung' besonderer Art stattfindet.
Das hat viele Ursachen. Einerseits geht es uns allen gut. Viele in allen Ländern
Europas sind sich für "Schmutzarbeit" und schlecht bezahlte Arbeit zu schade.
immer weniger wollen "niedere Dienste" leisten, immer mehr wollen viel verdienen.
Vor allem die Wirtschaft hat jahrelang massenhaft billige Arbeitskräfte ins
Land gelockt. Das war moralisch zwar verwerflich, aber keiner hat sich gegen
diese Sonderform der Ausbeutung gestellt, denn für die 'Dreckarbeit" waren diese
Ausländer ja (fast) allen recht. Dann kam der Zusammenbruch des Weltkornrnunismus.
massenhaft gab es Flüchtlinge in ganz Europa, welche die blanke Not in den "reichen"
Westen trieb, dann kamen noch viele "Wirtschaftsflüchtlinge", welche eher die
Möglichkeit, ans "schnelle Geld" zu kommen, zu uns zog. Kriege am Balkan verschärften
die ohnehin schon angespannte Situation noch zusehends. 'Das Boot ist voll"
war allerorts zu hören.
Mangelnde Integrationsbereitschaft sowohl auf Seiten der Osterreicher (latente
Xenophobie) und auch auf Seiten der Ausländer (Selbstghettoisierung) selbst
verschärften die Lage. Vollkommen falsche Politik gegenüber den Ausländern und
das europaweit, haben die Ausländerfeindlichkeit nur noch verstärkt. Die verschwindende
Minderheit der kriminellen Ausländer wurde dazu noch mit "Glacehandschuhen"
angefaßt, um nur nicht ausländerfeindlich dazustehen, was zu einer vollkommen
ungerechtfertigten Einstellung und negativer Pauschalierung gegenüber Ausländern
führte. Tatsache ist, daß die Bevölkerung Österreichs auf Grund einer zu geringen
Geburtenrate in den letzten Jahrzehnten abnahm und seit der starken Flüchtlichszuwanderung
aber wieder stark zunahm.
Wenn dann Ex-Bundeskanzler Klima beim Heurigen von BRD-Bundeskanzler Schröder
auf die nun wieder steigende Geburtenrate angesprochen, nur meinte, daß "dies
nicht durch die Kraft der österreichischen Lenden" geschieht, wird man verstehen,
daß dies nur als eine Verhöhnung der Österreicher aufgefaßt wurde. Zur Entspannung
der Ausländerproblematik in Österreich hat diese unwürdige Aussage nicht gerade
beigetragen. Daß in Folge ein Herr Thomas Prinzhorn von der FPÖ sich beklagt,
daß die Ausländer noch Gratishormone bekommen, damit sie sich besser vermehren
können, ist zwar ein höchst fragwürdiger und rassistischer Ausspruch, brachte
aber die verfahrene Ausländersituation nur noch mehr ins "schiefe Licht".
Statt zu deeskalieren wurde immer mehr Öl ins Feuer gegossen. Statt eine Integration
zu fördern, wurde vor allem im Wiener Wahlkampf Hetze gegen Ausländer betrieben.
Nur halbherzig ist dagegen aufgetreten worden, fürchteten doch die eben auch
populistischen Politiker bei Rot und Schwarz um Wählerstimmen. Slogans wie "wir
wollen nicht ausländerfeindlich sein, sondern österreicherfreundlich", verdeckten
in Wahrheit nur die schon große Xenophobie der österreichischen Wähler. Trotzdem
glaube ich hat das Ausländerthema der FPÖ nicht so viele Stimmen gebracht wie
vielfach angenommen. Es war sicherlich das berechtigte Aufteten der FPÖ
gegen Proporz und Pfründewirtschaft, das ihr den Wahltriumph am 3. Oktober bescherte.
7.) Reaktionen des Auslandes, insbesondere der EU
Daß Österreich nun als besonders ausländerfeindlich international hingestellt
wird, ist nicht nur höchst ungerecht, sondern geradezu absurd. Kein Land der
EU und des restlichen Europas hat in den letzten Jahrzehnten, gemessen an der
Bevölkerungszahl, so viel für Flüchtlinge getan wie Österreich. Ich erinnere
nur an die Revolution in Ungarn mit 200.000 Flüchtlingen in Österreich, ich
denke an den "Prager Frühling", an die vielen Polen, Bulgaren, Rumänen usw.,
welche nach dem Ende der kommunistischen Diktaturen zu uns kamen. Ich erinnere
an die Tausenden Kurden, welche vor dem Diktator Sadam Hussein flohen und nun
bei uns eine neue Heimat gefunden haben. Tausende Nigerianer konnten und können
sich bei uns wohl fühlen. Die Kriege in Kroatien, Bosnien-Herzegovina und im
Kosovo brachten wieder hunderttausende Flüchtlinge aus ihrem Elend zu uns, über
100.000 davon integrierten sich bei uns. In keinem Land der Welt wurde von der
Bevölkerung soviel Geld für die Mitmenschen in den Balkangebieten gespendet,
um die Not zu lindern, ich erwähne nur "Nachbar in Not". Wir sind "Spendenweltmeister".
Und jetzt erdreistet man sich in Europa uns Österreicher als ausländerfeindlich
und Menschenrechtsverletzer hinzustellen. Das empfinden wir alle, Haider hin
oder her, als eine Frechheit und als unglaublich ungerecht.
Nehmen Sie alle, die uns so demütigen und verletzen, zur Kenntnis: Österreich
ist nicht Jörg Haider.
Werfen Sie uns vor, daß wir zuwenig für die Aufklärung der Jugend in Bezug auf
den Nationalsozialismus getan haben, es ist richtig. Werfen Sie uns vor, daß
wir uns immer bestens als erstes Opfer des Nationalsozialismus verkauft und
uns diese Lüge auch noch selbst eingeredet haben, es ist richtig. Werfen sie
uns vor, daß wir im Verdrängen unserer dunklen Geschichte Meister sind, es ist
richtig.
Nur werfen Sie uns nicht vor, daß wir Österreicher ausländerfeindlich sind.
Die anderen EU-Staaten können sich uns diesbezüglich eher als Beispiel nehmen.
Es geht nicht an, daß die 14 EU-Staaten nun uns Österreicher als Neonazis, ausländerfeindlich,
Menschenrechtsverletzer und als was weiß ich noch alles bezeichnen, nur weil
einige Idioten dumme und in keinster Weise zu akzeptierende Sprüche klopfen
und mit der menschlichen Unzulänglichkeit spielen. Wenn ich, so wie die überwiegende
Mehrzahl der Österreicher, mich von diesen Sprüchen aufs schärfste distanziere
und keinerlei Verständnis für solche degutanten Äußerungen aufbringe, so habe
ich für einen "Spruch" von Jörg Haider zumindest Verständnis, nämlich für jenen
vom "aufgescheuchten Hühnerstall" Europa. Es fehlt mir und wohl 95% der Bevölkerung
das Verständnis für diese maßlos überzogene Reaktion und die quasi Ächtung Österreichs.
Da betreiben die EU und viele andere Staaten kollektive Volkssippenhaftung.
In Österreich gibt es ein NS-Wiederbetätigungsverbot. Die FPÖ ist davon nicht
betroffen, sie ist also eine demokratisch zugelassene Partei. Wir haben eine
gefestigte Demokratie, unsere Wahlen sind höchst demokratische Wahlen. Somit
ist das Ergebnis vom 3.Oktober 1999 zur Kenntnis zu nehmen, von allen Staaten
Europas. Bei uns gibt es keine öffentlichen Aufmärsche von Neonazis mit Hakenkreuzfahne,
wie zum Beispiel in den USA und in Schweden. Unbelehrbare Idioten gibt es in
allen Ländern der Welt, dies ist schlimm. Aber nur auf uns Österreicher, obwohl
gerade wir besonders sensibel (zu Recht) zu betrachten sind, zu zeigen, ist
pharisäisch. Zwei Beispiele mögen verdeutlichen, was ich meine. Wenn am selben
Tag, wo die EU-Sanktionen gegen meine geliebte Heimat ungerechtfertigt und wider
die EU-Gesetze bekanntgegeben wurden, im Teletext des ORF zu lesen war, daß
Argentinien auch schärfstens gegen uns protestiert hat, weil Argentinien zur
Nazizeit besonders viele jüdische Flüchtlinge aufgenommen hat, so dreht sich
mir der Magen um, ob dieser Geschichtsfälschung. Entweder ist der Schreiber
des Teletextes ein provokanter Hetzer oder er hat keine Ahnung von der Geschichte
Argentiniens. Peron war ein offener Bewunderer Hitlers, und Argentinien war
wohl das Hauptflüchtlingsland für deutsche und österreichische Nazis.
Am selben Tag war im ORF auch die englische Ex-Premierministerin Thatcher im
"small talk" dem faschistischen Massenmörder Pinochet gegenübersitzend zu sehen.
Wenn das nicht Pharisäertuni ist, was die EU hier mit einem kleinen Land betreibt,
dann weiß ich nicht, was Pharisäertum sonst sein soll. Mit den Faschisten Le
Pen und Schönhuber werden sie in deren Ländern nur schlecht fertig, wenn Neofaschisten
in einer italienischen Regierung vor einigen Jahren waren, hat es einen solchen
Aufschrei nicht gegeben. Wenn Herr Chirac 1991 selbst in bester populistischer
Manier auch ausländerfeindliche Äußerungen von sich gibt, dann ist das anscheinend
in Ordnung. In Österreich werden keine Ausländer weder mit Eisenstangen noch
sonstwie verprügelt, wie in diesen Februartagen die Marokkaner in Spanien. In
meiner Heimat wurden keine Ausländerwohnstätten angezündet, wie in der BRD.
Aber Frankreich, die BRD, Spanien und Italien sind eben große Länder. Mit einem
kleinen Land wie Österreich kann man so etwas machen, wie die EU es geradezu
zelebriert.
In Bezug auf die Osterweiterung wird es sich noch zeigen, daß diese chaotische,
emotionale und vollkommen überdrehte EU-Reaktion ein Bumerang wird. Ich bin
neugierig, was sich die Bevölkerungen in den vielen Beitrittsländern denken
werden, wenn es zur EU-Aufnahme kommt. Auch in diesen Ländern wird es zu diesbezüglichen
Volksabstimmungen kommen. Diese sinnlose und überflüssige Strafaktion gegen
Österreich hat mehr Schaden gemacht für die Zukunft der EU, als sich jetzt noch
erahnen läßt. Und Typen wie Herrn Haider hat man damit nur einen Gefallen getan.
Alte Rechnungen, die man gegen Österreich hatte, ich erwähne nur als ein Beispiel
die Antiatompolitik, welche vor allem den Franzosen auf die Nerven ging, hat
man gleich auch noch "mithineingepackt". Hurra, Europa hat sich stark gezeigt
und einen "Kleinen" ordentlich durchgehaut. In Tschetschenien ist es ja nur
eine innerrussische Angelegenheit und Russland ist ja nicht bei der EU. Wenn
das die Moral der EU ist, dann stimmt mich das traurig, die EU sollte sich rasch
besinnen. Die Eu hat nun selbst ein Problem, so wie sie mit einem kleinen Land
umgesprungen ist.
Nehmen Sie, geneigter Leser, zur Kenntnis, wir Österreicher sind stolz auf uns,
wir sind stolz auf unsere EU-Gesinnung ("wer dann, wenn nicht wir"), wir sind
stolz auf unsere Leistungen innerhalb der El! und wir lassen uns diese Behandlung
nicht gefallen.
Wir sind ein freies und kunstsinniges Volk und niemand hat das Recht,
uns pauschal abzukanzeln. Wenn man den Esel nicht schlagen kann, dann schlägt
man den Sack, auch wenn der Esel gemeint ist, sagt ein Sprichwort, wobei der
Esel Österreich und der Sack Herr Haider ist. So nicht mit uns, ehrenwerte Damen
und Herren der EU.
8.) Was ist zu tun? Wie geht es weiter?
Eine Abrüstung der Worte ist von allen Seiten von Nöten, sonst kommt es noch
zum Eklat. Es wäre eine Katastrophe für Österreich, aber vor allem für die EU.
Politiker von Rot, Schwarz, Grün und Liberal in Europa sollen erkennen, daß
man mit solchen Populisten wie Haider nur fertig wird 'wenn man sie zur Brust
nimmt", sie in die Pflicht nimmt. Und genau das hat Schüssel gemacht. Alle Haiders
sollen endlich zeigen, was sie können. Ich bin überzeugt, daß sich diese Typen
rasch selbst demaskieren. Denn kritisieren ist leichter als selbst besser machen.
Hat denn die El! kein Selbstvertrauen, daß sie mit solchen "Sprücheklopfern"
nicht fertig wird?
Ausgrenzen ist, wie die jüngste Geschichte in Österreich beweist, der falscheste
Weg. Ich behaupte nicht, daß solche Extrempopulisten, wie es Jörg Haider ist,
nicht gefährlich werden können. Nur eines vergißt Europa, daß heute ein gänzlich
anderes Umfeld ist, als in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, 15
Jahre nach dem 1. Weltkrieg. Damals waren Not und Elend und Arbeitslosigkeit.
Heute sind es 55 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, wir haben praktisch Vollbeschäftigung
und großen Wohlstand. Damals gab es keine Globalisierung so wie heute, die Medienlandschaft
ist heute sehr ausgeprägt, die Informationsmöglichkeit ist heute um ein vielfaches
besser als in den dunklen Zeiten der österreichischen und deutschen Geschichte.
Eine Zensur wie damals wäre heute undenkbar, schon allein wegen des Internets.
Ich glaube an die Kraft der Jugend. Dieser Jugend ist überwiegend eine faschistoide
Neigung fremd. Europa sollte mehr Mut haben und nicht mit solchen Aktionen gegen
Österreich recht billig vor der Verantwortung davonlaufen. Die demokratische
EU muß sich solchen Erscheinungen stellen, und nicht feige kneifen. Die EU hat
sich selbst mit Schande bedeckt, weil sie die demokratische Realität nicht richtig
einschätzte.
Und das ist schade, aber ich glaube trotzdem an die EU, aber vor allem glaube
ich an mein Österreich.
Gott schütze Österreich
und der heilige Geist erleuchte die EU.
| Nachwort zu meinem Plädoyer für Österreich |
Meine Tochter und ich haben als "Environmental NGO" an der CITES-Artenschutzkonferenz
in Gigiri-Nairobi vom 8.4.-20.4.2000 in Kenia (im Rahmen der UND) als Beobachter
teilgenommen. Vom Außenministerium habe ich auf meine Bitte hin Schriftstücke
in deutsch, englisch und französisch über die Situation in Österreich erhalten,
da ich als Österreicher damit rechnen mußte, auch betreffend der politischen
Situation angesprochen zu werden. Und so kam es auch, doch erfreulicherweise
anders als ich es befürchtet hatte. Kein unfreundliches Wort oder gar eine Diskriminierung,
das Gegenteil war der Fall.
Meine Tochter und ich hatten uns, um unseren Patriotismus besonders hervorzuheben,
extra in Steirertracht (Steireranzug und Ausseer Dirndl) gekleidet. Dazu hatten
wir neben der umgehängten Delegiertenkennzeichnung (alle 2500 Delegierten hatten
dies) noch ein kleines, aber nicht zu übersehendes, rot-weiß-rotes Täfelchen
am Revers bzw. am Kleid, mit der deutlich zu lesenden Inschrift "I am from Austria".
Dies wurde von allen verstanden und oftmals mit einem freundlichen Lächeln oder
einem zustimmenden Nicken registriert. Am Staatsempfang der kenianischen Regierung,
mit anschließendem grandiosen Büfett und Tanz, war die Stimmung prächtig. Meine
Tochter wurde aus der riesigen Menschenmenge von den einheimischen Künstlern
herausgeholt (wohl ob des auffallenden Ausseer Dirndls) und mußte unter großem
Beifall des Publikums unter einer "Feuerlatte" mit den Künstlern hindurchtanzen.
Während ich bescheiden mit Masal tanzte, wurde meine Tochter vom israelischen
Delegierten zum israelischen Tanz "Hava Nagilah" gebeten. Wohlgemerkt, alle
wußten, daß wir Österreicher sind!!
Bei mittägigen und abendlichen Diskussionen über den Artenschutz und die Angelegenheiten
der 11. CITES Konferenz wurde ich oft auch auf die Situation in Österreich angesprochen
und um eine Darstellung der Situation aus meiner Sicht gebeten. Und das habe
ich mit entsprechendem "Feuer" gemacht, so wie ich mich auch für den Schutz
vieler Tier- und Pflanzenarten 'zerrissen' habe. Mein "Plädoyer für Österreich"
mußte ich auch in Kenia mehrfach kopieren und unter den vielen Deutschen, Schweizern
und anderen deutsch sprechenden Delegierten wurde es mit Interesse und Zustimmung
gelesen.
Aus meiner Sicht komme ich immer mehr zu dem Schluß, daß es nicht die Menschen
aus anderen Ländern sind, welche ein Problem mit Österreichern haben, sondern
nur einige Politiker und Journalisten, welche aus verschiedenen, meist höchst
egoistischen Motiven heraus, eine Hetze gegen Österreich betreiben, um von ihren
eigenen Problemen oder ihrer Unfähigkeit abzulenken. Mein Credo wurde jedenfalls
von allen verstanden: "Wem die Menschenrechte vom 10.12.1948 wichtig
sind, der muß für eine Demokratie sein. Und wer die Demokratie will, der muß
demokratische Entscheidungen akzeptieren, denn alle Macht geht vom Volke aus."
Mai 2000, Josef Schmuck eh.
Besucher
seit 17.08.2000