AUSGESTORBEN heißt UNWIEDERBRINGLICH VERLOREN

1.) Der Riesenalk (Alca impennis)

alDer Riesenalk war an Land unbeholfen, im Wasser jedoch um so gewandter. Er konnte tief tauchen, es länger unter Wasser aushalten als ein Seehund und so schnell schwimmen, daß ein Mann mit einem Ruderboot ihn nicht einzuholen vermochte. Einmal im Jahr verließ er das Wasser, um auf den kalten felsigen Inseln im Nordatlantik zu nisten. Das Weibchen legte nur ein Ei pro Jahr. Dieses war besonders geformt, damit es nicht aus dem Nest rollen konnte, und hatte besondere Kennzeichen, so daß jeder Riesenalk sein Ei erkennen konnte. Schon in früher Zeit machten die Menschen Jagd auf den Riesenalk. Hungrige Fischer hielten die Bestände an Riesenalken für eine unerschöpfliche Speisekammer, und bald gehörte der Vogel zur Grundnahrung der Fischer aus vielen Nationen. Fast alles an dieser Beute konnte man verwerten, sogar die Federn, mit denen man Betten und Kissen füllte, was sich später zu einem regelrechten Gewerbe entwickelte. Alkfett war ein hochgeschätzter Brennstoff, und getrocknete Alke benutzte man als Fackeln, so hoch war der Fettanteil im Fleisch. Die Knochen dienten als Angelhaken oder als Nadeln. Nach Jahrhunderten des Gejagtwerdens hatten sich die übriggebliebenen Riesenalke auf ein winziges Inselchen vor der Küste Islands zurückgezogen. Aber als ob nicht schon genug Unheil über sie gekommen wäre, gab es 1830 einen Vulkanausbruch unter Wasser, und die Insel versank im Meer. Fünfzig Riesenalke überlebten die Katastrophe. Eitle Museumsdirektoren in aller Welt fürchteten, diese letzten könnten auch noch umkommen. In ihrem wissenschaftlichen Wahn ließen sie für Geld achtundvierzig töten und ausstoüpfen. Jahre später fand man, eingefroren im Eis Neufundlands, hundert Riesenalke, ebenso gute Schaustücke wie die achtundvierzig getöteten. Aber es war zu spät. Die letzten beiden Riesenalke der Welt wurden 1844 getötet und wanderten in die Vogelsammlung eines reichen Geschäftsmannes.

Die Sammlergier der Menschen ist grenzenlos.

 

 

2.) Die Wandertaube (Ectopistes migratorius)

taube2Als die ersten Naturforscher Nordamerika bereisten, waren sie von dem kaum glaublichen Reichtum der dort heimischen Vogelwelt beeindruckt. Mehr als ein Drittel aller Vögel waren Wandertauben. Vor der Eroberung, besser gesagt Plünderung Nordamerikas durch den weißen Mann lebten dort mehrere Milliarden Wandertauben. Jeden Sommer nisteten sie in den Wäldern im Norden und flogen im Winter in den Süden, um dort zu überwintern, in Schwärmen von jeweils mehreren Millionen. Zur Brutzeit konnte ein Wald von Tauben dicht besetzt sein. Audubon, ein berühmter Naturforscher, beobachtete einmal einen riesigen Schwarm, den er auf eineinhalb Kilometer Breite und dreierhalb Kilometer Länge schätzte. Es müssen mehr als zwei Milliarden Vögel gewesen sein. Mehr als einmal exkommunizierte der Bischof von Montreal die gesamte Brut als eine Landplage. Auf den Gedanken, diese Tiere könnten aussterben, kam niemand. Der Vorrat an Taubenbraten für die amerikanischen Mägen und zur Schweinemast schien unerschöpflich. Er war es nicht. Im 19.Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl Amerikas von fünf auf sechsundsiebzig Millionen Menschen. Und damit stieg auch die Zahl der Taubenesser. Gleichzeitig wurden viele Wälder gerodet. Die Brutgewohnheiten der Tauben waren umgestoßen. Und sie fanden wenig Nahrung. Zwischen 1867 und 1877 wurden im Mittelwesten jährlich durchschnittlich über 10 Millionen Tauben getötet. Im Jahre 1878 rottete man in einer Tötungsorgie eine ganze Brutkolonie aus. 30 Tage lang wurden täglich fünf Güterwaggon voll erlegter Tauben abtransportiert. Gewöhnlich flogen die Wandertauben so dicht, daß eine einzige Schrotladung bis zu fünfzig Vögel traf. Um 1880 setzte sich der Hinterlader immer mehr durch, was zu einem wesentlich wirkungsvollerem Jagen führte. 1881 brachten es an einer einzigen Stelle 500 Taubenjäger auf je 20.000 Abschüsse. Im März 1900 wurde die letzte Wandertaube in Kanada geschossen. Schließlich, fast unfassbar, blieb von all den Milliarden Wandertauben, die einst Amerikas Himmel schmückten, nur ein Vogel am Leben. Das war Martha, geboren und aufgezogen im Zoo von Cincinnatti. Besucher aus aller Welt kamen, um Martha zu sehen, bis sie am 1. September 1914 starb. Sie war 29 Jahre alt geworden.

Die Dummheit der Menschen ist grenzenlos.